Samstag, 21 October 2017

150 Jahre Hammerschmiede am Muckenbach bei Kenzingen (1867-2017)

Zur Geschichte der Hammerschmiede und ihre Erhaltung als Kulturdenkmal der Technikgeschichte

Die Hammerschmiede in der Muckentäler Aue des Kenzinger Hochwaldes zählt zu den wenigen betriebsfähig erhaltenen Schmieden in Baden-Württemberg. Im Jahre 2017 blicken wir auf ihre eineinhalb Jahrhunderte währende Geschichte zurück und feiern das Jubiläum „150 Jahre Hammerschmiede im Muckental (1867-2017)“.

Ihr Standort befindet sich auf einer ca. 9 km nordöstlich vom Ortskern Kenzingens gelegenen Parzelle des hinteren Bleichtals, 4 km östlich von Bleichheim und ca. 3 km nördlich von Ottoschwanden am Muckenbach; und zwar auf einem als Exklave zur Gemarkung Kenzingens gehörigen Geländestreifen, der Ottoschwanden im Westen und Norden umgreift und der im Mittelalter Teil der Grundherrschaft des Klosters Andlau im Elsass war. Der Muckenbach ist neben dem Goldbach der zweite wichtige Zufluss der Bleiche im Hintertal.

Für die Existenz einer Oberen und einer Unteren Muckenmühle sind urkundliche Belege seit dem 16. Jahrhundert überliefert. Wie lange die Mühlenplätze zu dieser Zeit schon bestanden, geht aus diesen Quellen jedoch nicht hervor. Die Hammerschmiede am Muckenbach ist gewissermaßen ein Ableger der Unteren Muckenmühle, die sich im Jahre 1594 je zur Hälfte im Eigentum der Herrschaft Kürnberg und der Stadt Kenzingen befand. Im Dreißigjährigen Krieg zerstört, wurde sie um 1680 wieder in Betrieb genommen. Abbildung 1 Postkartenmotiv der Hammerschmiede Anfang der 1930er JahreAbbildung 1 Postkartenmotiv der Hammerschmiede Anfang der 1930er JahreNach den Wirren der Pfälzischen und Spanischen Erbfolgekriege (1688-1697 und 1701-1714) war die Mühle im Eigentum der Beamtenfamilie Schmidt von Brandenstein. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts erscheint in den Urkunden Valentin Häringer als Erblehnsmüller und Wirt des zugehörigen Gasthauses „Zum Kreuz“, das im 19. Jahrhundert lange Jahre an eine Familie Hepp verpachtet war. Um 1850 taucht erstmals ein Josef Wehrle als Muckenmüller auf, der eine Barbara Hug ehelichte. In einer öffentlichen Bekanntmachung des Großherzoglichen Bezirksamt in Kenzingen vom 21.Dezember 1866 wurde die Absicht Josef Wehrles, „im Muckenthal …, in der der Nähe seiner Mühle eine Hammerschmiedewerkstätte einzurichten“ in Kenzingen öffentlich gemacht und zudem am 25. Dezember 1866 in der „Breisgauer Zeitung“ (Nr. 303) publiziert. Es wurde mitgeteilt, „daß der Situations- nebst Bauplan“ im Bürgermeisteramt für 14 Tage zur Einsichtnahme ausgelegt sei.

Innerhalb dieser Frist seien auch eventuelle begründete Einwände gegen diesesVorhaben schriftlich oder mündlich vorzubringen. In der heute im Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Freiburg, Bestand B714/1, Nr. 2750, aufbewahrten Akte, in der die Vorgänge des Genehmigungsverfahrens dokumentiert sind, befinden sich drei stark vergilbte Blätter mit den entsprechenden Zeichnungen. Auf zwei Blättern sind der Grundriss, Auf- und Fassadenrisse des geplanten Hammerwerks samt Eintragungen der vorgesehenen technischen Ausstattung dargestellt.

Das dritte Blatt ist ein Lageplan, der zeigt, wo Josef Wehrle die Hammerschmiedewerkstätte für seinen Sohn Rudolf Wehrle auf seinem Gut im Muckental errichten wollte. Sie sollte ca. 80 Meter unterhalb der familieneigenen Unteren Muckenmühle entstehen. Zudem sind im Lageplan die Grundstücksgrenzen eingezeichnet, samt Hinweisen darauf, welchen Eigentümern die angrenzenden Grundstücke gehörten. Das war wichtig, weil nun in einem Genehmigungsverfahren überprüft werden musste, ob die Herleitung der für den Betrieb erforderlichen Wasserkraft möglicherweise den Betrieb anderer Mühlen bzw. die Wiesenwässerung im hinteren Bleichtal beeinträchtigen könnte. Dennoch waren die Eintragungen für die Beurteilung letztlich nicht ausreichend, so dass der bestallte Wiesenbauaufseher einen weiteren, auf den 11. Januar 1867 datierten „Handriß über die etwa 

Abbildung 2: Historischer Lageplan der Hammerschmiede und Muckenmühle von 1866Abbildung 2: Historischer Lageplan der Hammerschmiede und Muckenmühle von 186610 Morgen große Muckenwiese in der Gemarkung Kenzingen, des Herrn Grafen Heinrich von Kageneck (Grundherrschaft in Bleichheim) nebst Schließen und Muckenmühle mit der Wasserleitung bei der Wiese“, anfertigte. Dieser auf ein lichtbeständigeres, bis heute nur leicht angegilbtes Blatt Papier gezeichnete Lageplan mit einer aus 13 Punkten bestehenden Legende zeigt den Wirkungszusammenhang aller im Kontext mit der Neuerrichtung des Hammerwerks zu beachtenden wasserbaulichen Anlagen. Auf Basis dieser Unterlagen wurde vom Großherzoglichen Oberamtmann Baader „am 4. April 1867 auf der Muckenthalermühle“ ein Treffen anberaumt, um die vorgebrachten Einsprüche der Nachbarn vor Ort zu überprüfen. Der Antragsteller Josef Wehrle und sein Sohn Rudolf erschienen mit ihrem Anwalt Burkhard von Freiburg und dem Geometer Jäger von Ettenheim. Als Vertreter der Benachteiligungen fürchtenden „Einsprachkläger“ nahmen der grundherrlich von Kagenecksche Verwalter Huber von Munzingen, der Müllermeister Stephan Müser, Barbara Glaser und die Ehefrau des Müllermeisters Landolin Glöckle teil. Josef Wehrle musste zustimmen, keinen Weiher vor der Hammerschmiede ausgraben zu lassen, sondern nur ein bis zu 5 Fuß breites „sogenanntes Wasserbente“ zu errichten. Außerdem erhielt er die Auflage, die Schließen seines Mühlenkanals nachts (19 Uhr abends bis 5 Uhr morgens) und an den Wochenenden (ab Samstag um 19 Uhr abends bis Montag um 6 Uhr morgens) so einzustellen, dass die Wässerung der zur Grundherrschaft von Kageneck gehörenden Wiesen ganzjährig gesichert wäre.

Abbildung 3: Lageplan vom 11. Januar 1867Abbildung 3: Lageplan vom 11. Januar 1867 Diese Vereinbarung wurde von allen Anwesenden unterzeichnet, so dass Josef und Rudolf Wehrle nun ihren Mühlenbau in Angriff nehmen konnten. Nach dem Tod von Theresia Wehrle heiratete Rudolf Wehrle sen. in zweiter Ehe Marianna Meier aus Schweighausen, mit der er eine weitere Tochter namens Stephania hatte. Nach dem Ableben von Rudolf Wehrle sen. musste seine Witwe Marianna nach den damals geltenden Regeln der Schmiedezunft wieder einen Schmied zum Manne nehmen, sofern das Gewerbe fortgeführt werden sollte. Sie ehelichte um 1880 den aus Reichenbach im Schuttertal stammenden Schmied Valentin Feißt. Er übernahm sowohl die Schmiede als auch die Untere Muckenmühle. Sein unternehmerisches Interesse und das seiner Nachfolger konzentrierte sich jedoch allein auf die Schmiede, so dass die Untere Muckenmühle nach und nach verfiel und 1964 zu einem Wochenendhaus ausgebaut wurde. Valentin Feißt hatte zwei Töchter, Franziska und Karolina, jedoch keinen Sohn. Daher übernahm sein Neffe Franz Joseph Feißt aus Reichenbach die Schmiede. Er nahm Stephania Wehrle zur Frau. Sie hatten fünf Kinder: Joseph, Maria, Karl, Frieda und Klara. Der älteste Sohn Joseph Feißt übernahm 1934 den Betrieb seines Vaters und heiratete 1936 Ida Würzburger aus Glottertal, mit der er zwei Kinder, Herta und Paul hatte.

Paul geb. 18.10.1937, gest. 02.11.2012 erlernte noch bei seinem Vater (Joseph Feißt, 1904 – 1967) den Beruf des Hammerschmiedes, kehrte aber nach der Lehre dem Beruf den Rücken, da industriell hergestellte Werkzeuge konkurrenzlos billig waren und er am Schmiedehandwerk zudem auch kein Gefallen fand.

Paul Feißt gründete 1964 eine Familie, aus der 4 Kinder hervorgingen. Platzmangel und veränderte Lebensgewohnheiten, sowie die inzwischen in die Jahre gekommene Hammerschmiede, führten Anfang der 1970er Jahre zu Umbaumaßnahmen im Wohn- und Gaststättenbereich. Paul Feißt führte mit seiner Familie im Nebenerwerb die allzeit beliebte Ausflugsgaststätte „Zur Hammerschmiede“, bis 1990 der älteste Sohn Peter als gelernter Koch die Gaststätte übernahm und diese zielstrebig zu einem Geheimtipp unter Feinschmeckern machte.

Nach der Vergrößerung des Gastraumes im Jahr 2000 sollte 2008 ein Wintergartenanbau folgen, um der wachsenden Nachfrage gerecht zu werden. Doch nach dem tödlichen Verkehrsunfall von Peter Feißt im selben Jahr musste das Gasthaus nach über 100 Jahren schließen.

Das nunmehr seit 8 Jahren im Dornröschenschlaf liegende Traditionshaus soll jedoch in absehbarer Zukunft wieder seiner langjährigen Nutzung als Gastwirtschaft zugeführt werden, da die künftige Erhaltung des technischen Kleindenkmales in großem Maße vom Publikumsverkehr abhängig erscheint

Die Hammerschmiede im Muckental

Auf der Kenzinger Talseite, dem Muckental, findet sich im Kellergeschoß des Gasthauses "Zur Hammerschmiede" eine der letzten gut erhaltenen Hammerschmieden des Schwarzwaldgebietes. Sie ist zugleich jüngste und derzeit einzige noch kontinuierlich betriebene Wasserkraftanlage im Bleichtal.

Im Jahr 1867 vom damaligen Muckenmüller Joseph Wehrte errichtet, sollte sie seinem Sohn Rudolf als künftige Existenzgrundlage dienen. Er hatte den Beruf des Hammerschmieds erlernt und da in der Umgebung ein ständiger Bedarf an einfachen land- und forstwirtschaftlichen Geräten und Steinbruchwerkzeugen bestand, lässt sich diese Entscheidung leicht nachvollziehen. Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=DgtOEqosM_U

Der Waldläufer in der Schmiede

Andy der Waldläufer zu Besuch in der Hammerschmiede.

 Quelle:https://youtu.be/7JwJUQd7Re8

 

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