Samstag, 16 December 2017

Die Hammerschmiede am Muckenbach - Bauweise und Arbeitsvorgänge

Bauplan von 1866.Bauplan von 1866.Das schlichte, rein funktionale zweigeschossige Gebäude mit Satteldach weist bis zu 75 cm dicke Wände aus Bruchsandstein auf. Das Obergeschoss wurde erst um die Jahrhundertwende als Wohngeschoss mit einem kleinen Verkaufsraum aufgestockt und ist heute als Gastwirtschaft eingerichtet. Das zur Hälfte ins Erdreich eingetiefte Erdgeschoss besteht aus einem großen Raum, der die Schmiede mit dem Hammerwerk enthält. Der Naturboden hat in Richtung Hammerwerk ein leichtes Gefälle, damit eindringendes Wasser nicht lange stehen bleibt, sondern auf eine die Schmiedeeinrichtung möglichst wenig schädigende Weise wieder abfließen kann. Die Esse mit zwei Feuerstellen und einem steinernen Wassertrog zum Löschen und Abkühlen der glühenden Schmiedestücke sowie zum Benetzen des Schmiedefeuers ist in Bruchstein gemauert. Der Rauchabzug  besteht aus einer Eisenkonstruktion, die mit flachen Ziegelsteinen und Lehm ausgemauert ist.

Für den Antrieb der Hammerschmiede im Muckental wurde das Wasser des Bleich- und Muckenbaches per Kanalführung auf drei oberschlächtige Wasserräder ausgerichtet: Sie dienen zum Antrieb von Wellbaum (Hammerrad), Transmission (Gebläserad) und Schleifstein (Schleifrad).                                                            

 

Das Hammergerüst besteht hauptsächlich aus Eichenholz. Es war seinerzeit der preisgünstigste Werkstoff, der fähig war, den anfallenden Beanspruchungen und Belastungen standzuhalten. Die im Hammergerüst in den Backeisen beweglich gelagerten Hämmer – diese stecken in gusseisernen Hülsen mit seitlichen Lagerzapfen - werden über eine große Welle aus Eichenholz angetrieben. Diesen Wellbaum umfassen Eisenringe, auf dem die Nocken befestigt sind, welche die Enden der Stiele  (Hammerschwänze) der Hämmer nach unten gegen den Preller schlagen lassen. Die Preller bewirken dabei weniger eine Verstärkung der Schlagkraft der als zweiarmige Hebel konstruierten Schwanzhämmer, als vielmehr einen regelmäßigen Schlagrhythmus, da der Hammer nicht beliebig nach oben auslenken kann, sondern eine stabile Hubhöhe begrenzt wird.        

Die aus Eichenholz bestehenden Schabotten (Ambossaufnahmen, Hammerstöcke) sind bis zu 1,50 Meter in den Boden eingegraben und derart sowohl horizontal als auch vertikal ausreichend stabil fixiert,Neue Schabotte aus Eichenholz vor dem Einbau.Neue Schabotte aus Eichenholz vor dem Einbau. dass sie unter den niedergehenden Hammerschlägen weder einsinken noch ausweichen können. Das Hammerrad mit einer Radbreite von 1 Meter bei 2,80 Metern Durchmesser hat eine Leistung von maximal 9 PS. Die achtkantige Hammerwelle aus Eichenholz überträgt die Drehbewegung (ca. 10 U/min) auf die Hämmer. Sie hat eine Länge von 7,20 Metern und ein Eigengewicht von ca. 2 Tonnen. Hinzu kommen das Hammerrad, die Nockenringe sowie die Wellenfassungen, sodass die komplette Welle über 4 Tonnen wiegt. Über Nocken bzw. Daumen an der Hammerwelle, werden die Schwanzhämmer angetrieben und führen zwischen 100 und 200 Schläge pro Minute durch.

Historische Aufnahme aus den  1920er Jahren von Glätt- und Streckhammer. (v.l.n.r.)Historische Aufnahme aus den 1920er Jahren von Glätt- und Streckhammer. (v.l.n.r.)Hierbei kann die Schlagkraft auf ein zwischen Hammer und Amboss gehaltenes Werkstück bis zu 5 Kilonewton erreichen. Zunächst wird das glühende Eisen auf dem Streckhammer gebreitet oder gestreckt. In einem zweiten Arbeitsschritt wird die Oberfläche mit dem leichteren Glätthammer in der Feinbearbeitung geglättet.

Das 1988 rekonstruierte und 2015 komplett erneuerte Gebläserad misst nun knapp 3 Meter im Durchmesser und einen halben Meter in der Breite. Die ebenfalls neue Radwelle samt Lagern und Zahnradübersetzung überträgt die Drehbewegung auf die an der Decke montierte Transmission. Verschiedene Flachriemen treiben eine Bohrmaschine, einen Gleichstromgenerator sowie einen langsam und einen schnell laufenden Schleifstein an.

Herstellung einer Hacke unter dem Streckhammer.Herstellung einer Hacke unter dem Streckhammer.Das Gebläse der Schmiedeesse, das den Luftstrom für das Kohlenfeuer und somit die nötige Hitze erzeugt, wird auf eine Drehzahl von ca. 2500 U/min transformiert! Dadurch können auch recht große Eisenteile erwärmt werden. Im gelbglühenden Zustand werden die benötigten Querschnitte unter dem Hammerbär unter wuchtigen Schlägen zu einem Werkstück geformt.

Das Schleifrad hat einen Durchmesser von 3,20 Metern und erbringt etwa eine Leistung von 3 PS. Über ein einfaches Zahnradgetriebe treibt es mit 10 U/min den Schleifstein, der einen Durchmesser von 2 Metern aufweist, an. Am Schleifstein wurden die geglätteten Eisenteile zu verkaufsfertigen Endprodukten geschärft bzw. geschliffen. Bei der Herstellung dieser Werkzeuge waren in der Hammerschmiede bis zu drei Schmiede – Meister und Gesellen - beschäftigt. Die Arbeit war so eingeteilt, dass jeder Schmied einen anderen Arbeitsgang verrichtete.

Hacke mit stabilem Haus.Hacke mit stabilem Haus.Bei der Produktion von Hauen (Hacken) z. B. wurden von einem Arbeiter die zuvor auf Länge abgetrennten Flacheisenstäbe unter dem Streckhammer zu einem Rohling ausgetrieben. Nach weiteren Arbeitsgängen wurde die benötigte Stückzahl der vorbereiteten Hauen unter dem Glätthammer und von Hand fein bearbeitet. Ein anderer Schmied scherte derweilen auf der Hebelschere die gewünschte Form, vollendete in glühendem Zustand das Haus (Stielfassung) und härtete die Hauen anschließend in einem Wasser- oder Ölbad. Der dritte Schmied konnte an den soweit fertigen Hauen den letzten Arbeitsgang verrichten, indem er sie scharf und blank schliff. Vielfach mussten jedoch die geschilderten Arbeitsgänge von einem oder zwei Schmieden bewältigt werden – dann selbstverständlich zeitlich nacheinander.

Die Hammerschmiede im Muckental

Auf der Kenzinger Talseite, dem Muckental, findet sich im Kellergeschoß des Gasthauses "Zur Hammerschmiede" eine der letzten gut erhaltenen Hammerschmieden des Schwarzwaldgebietes. Sie ist zugleich jüngste und derzeit einzige noch kontinuierlich betriebene Wasserkraftanlage im Bleichtal.

Im Jahr 1867 vom damaligen Muckenmüller Joseph Wehrte errichtet, sollte sie seinem Sohn Rudolf als künftige Existenzgrundlage dienen. Er hatte den Beruf des Hammerschmieds erlernt und da in der Umgebung ein ständiger Bedarf an einfachen land- und forstwirtschaftlichen Geräten und Steinbruchwerkzeugen bestand, lässt sich diese Entscheidung leicht nachvollziehen. Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=DgtOEqosM_U

Der Waldläufer in der Schmiede

Andy der Waldläufer zu Besuch in der Hammerschmiede.

 Quelle:https://youtu.be/7JwJUQd7Re8

 

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