Samstag, 16 December 2017

Die Hammerschmiede im Kontext der Industrialisierung

Die Technik der Hammerschmiede im Muckental stammt aus einer Zeit, in der die Agrarwirtschaft vorherrschte. Seit dem hohen Mittelalter gab es Hammerwerke als mechanische Anlagen, in denen wassergetriebene mechanische Maschinenkraft mit menschlicher handwerklicher Arbeitskraft zusammenwirkte, um insbesondere auch Geräte für die Agrarwirtschaft zu produzieren. Allerdings sind bei näherer Betrachtung deutlich Hammerwerke zu unterscheiden: einerseits „Großhammerwerke“, die als „Frischhütten“ das spröde Roheisen des  Hochofens in schmiedbaren Stahl umwandelten, und andererseits die Kleinhammerwerke („Zainhämmer“) der nachfolgenden Produktionsstufe, welche jene Stahlstäbe meist über den Handel bezogen, um daraus Fertigprodukte – z. B. Werkzeuge – herzustellen. Darüber hinaus gab es eine ganze Reihe spezialisierter Hammerwerke der zweiten Produktionsstufe: Rohrhämmer für die Feuerwaffenproduktion, Schellenschmieden, Pfannen-, Kugel-, Sensenhämmer, Ankerschmieden etc..

Bis in das frühe 19. Jahrhundert war Deutschland ein Agrarland, in dem der größte Teil der Bevölkerung in der Landwirtschaft oder im ländlichen Hausgewerbe arbeitete. Erst seit der Zeit um 1835/45 setzte sich mit dem Bau des Eisenbahnnetzes in Deutschland die erste Phase der Industrialisierung durch. Holz als wichtigster und gebräuchlichster Rohstoff wurde in der Heiztechnik von der Kohle und in der Maschinentechnik von Eisen abgelöst.

In den großen Fabriken wurde der Antrieb durch Wasserenergie und tierische Energie von Dampfmaschinen abgelöst. Für einen kleinen Handwerksbetrieb wie die Hammerschmiede rentierte sich das nicht. Auch die Auswirkungen des Durchbruchs der Elektrotechnik in der zweiten Phase der Industrialisierung um 1880 waren für das handwerklich geprägte Schmiedehandwerk anfangs noch nicht gravierend. Die Elektrifizierung des Nahverkehrs, der Beleuchtungstechnik, des Fernsprechwesens etc. tangierte die für die regionale Landwirtschaft produzierenden Schmiede wenig. Als wesentlich existenzbedrohlicher erwies sich die sich parallel und intensiv entwickelnde chemische Industrie, die durch Herstellung von Kunstdünger und mit hochwirksamen Herbiziden seit den 1940er Jahren die manuelle Unkrautbekämpfung mit Hauen nach und nach aushebelte. Vor dem Aufkommen von technischen und chemischen Hilfsmitteln wie Maschinen und Herbiziden war die Weinberghaue das wichtigste Bodenbearbeitungswerkzeug bei der Bewirtschaftung der Rebflächen im Weinbau. Bis in die 1960er Jahre hinein wurden in der Muckentaler Hammerschmiede in bester Handwerksarbeit die „Feißtschen Handgeräte“ hergestellt: das waren besonders im regionalen Weinbau gebräuchliche Geräte wie Hauen (Hacken), Karste, Pickel, Schaufeln etc., aber auch Ackerwerk-, Holzmacher- und Steinmetzwerkzeuge, die ihren Absatz in der Ortenau, im Kaiserstuhl, im Breisgau und im Markgräfler Land fanden. In den besten Verkaufsjahren wurden im Hammerwerk im Muckental tausende Hauen pro Jahr gefertigt. Im Jahre 1967 wurde der Schmiedebetrieb endgültig eingestellt.

Die Hammerschmiede im Muckental

Auf der Kenzinger Talseite, dem Muckental, findet sich im Kellergeschoß des Gasthauses "Zur Hammerschmiede" eine der letzten gut erhaltenen Hammerschmieden des Schwarzwaldgebietes. Sie ist zugleich jüngste und derzeit einzige noch kontinuierlich betriebene Wasserkraftanlage im Bleichtal.

Im Jahr 1867 vom damaligen Muckenmüller Joseph Wehrte errichtet, sollte sie seinem Sohn Rudolf als künftige Existenzgrundlage dienen. Er hatte den Beruf des Hammerschmieds erlernt und da in der Umgebung ein ständiger Bedarf an einfachen land- und forstwirtschaftlichen Geräten und Steinbruchwerkzeugen bestand, lässt sich diese Entscheidung leicht nachvollziehen. Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=DgtOEqosM_U

Der Waldläufer in der Schmiede

Andy der Waldläufer zu Besuch in der Hammerschmiede.

 Quelle:https://youtu.be/7JwJUQd7Re8

 

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