Samstag, 21 October 2017

Geschichte der Muckentaler Hammerschmiede als Kulturdenkmal der Technikgeschichte

1970 kamen Überlegungen auf, das Mühlengebäude umzubauen und dabei die Schmiedeeinrichtung zu entfernen. In diesem Zusammenhang wurde die Hammermühle im Muckental beim Staatlichen Amt für Denkmalpflege in Freiburg erstmals aktenkundig. In einem Schreiben vom 15. Juli 1970 erhob der Kreisbeauftragte für Naturschutz, Oberforstrat Bühler, „prinzipiell keine Bedenken“ gegenüber der äußeren Gestalt des bei ihm eingereichten Bauvorhabens, machte jedoch darauf aufmerksam, dass eine „ (…) Erhaltung der alten Einrichtungen der früheren Hammerschmiede im Kellergeschoss, die alle noch vorhanden sind (doch sicherlich sehr wünschenswert)“ sei. „Der mit Wasserkraft getriebene lange Hammer mit Amboss in der ehem. Schmiede ist heute eine Sehenswürdigkeit, die es kaum mehr gibt.“ Auf einem für den 29. Juli 1970 anberaumten Ortstermin mit dem beauftragten Architekten Weissbach stellte der zuständige Denkmalpfleger Hesselbacher fest, „dass es sich bei diesem Hammerwerk in der Tat um ein technisches Kulturdenkmal handelt, dessen Erhalt gemäß §§ 2 und 12 des Bad. Denkmalschutzgesetzes im öffentlichen Interesse liegt.“ Entsprechend wurde verhindert, dass das Hammerwerk aus dem Erdgeschoss zu Gunsten des Einbaus einer Heizung und von WCs entfernt wurde. Die Staatliche Denkmalpflege legte „größten Wert darauf …, dass das Hammerwerk, welches sich – noch völlig erhalten – im Untergeschoss des Gebäudes befindet, weiterhin erhalten bleibt und auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Voraussetzung hierfür wird aber sein, dass der unmittelbar am Hause vorbeiführende Bach ebenfalls erhalten bleibt.“ (so Hesselbacher in einem Schreiben vom 22.9.1970) Damit war nicht nur die technische Ausstattung des Gebäudes sondern auch der zugehörige Mühlenkanal als Kulturdenkmal im Sinne einer Sachgesamtheit, wie sie das am 25.5.1971 in Kraft getretene Baden-Württembergische Denkmalschutzgesetz im § 2 benennt, erfasst. Man einigte sich darauf, neben der Schmiede einen Neubau zu errichten und währenddessen die Wohnung zunächst in der Schmiede zu belassen. In einer weiteren Ausbaustufe sollte in der Schmiede eine gute Landgaststätte entstehen, für deren Gäste sich als Attraktion ein Besuch der historischen Schmiede anbot.

 

Durch das Hochwasser 1987 erlitt die Schmiedewerkstatt so starke Schäden, dass ihr Erhalt erneut auf der Kippe stand. Der Schlamm stand eineinhalb Meter hoch in der Schmiede. Uwe Feißt, der Enkel des letzten Schmieds, begann mit der acht Jahre dauernden Renovierung. Ab September 1987 renovierte er eine große Werkbank, die Esse, den Ventilator und das zugehörige Wasserrad für die Transmission. Neben der Rekonstruktion der Schleifanlage 1989/90 wurden bis Dezember 1990 weitere kleinere Ausbesserungsarbeiten an Mauerwerk und Mühlkanal vorgenommen. Für die Sanierungsmaßnahmen holte Uwe Feißt sich regelmäßig Rat bei einem Cousin seines Großvaters, Konrad Feißt aus Seelbach, der die Schmiede in Reichenbach im Schuttertal betreute. 1988 wandte Uwe Feißt sich an die zuständige Denkmalschutzbehörde mit der Bitte um finanzielle Unterstützung. Die Denkmalpflege bestätigte erneut, dass es sich um ein wertvolles Zeugnis der regionalen Technikgeschichte handele, so dass ein besonderes denkmalpflegerisches Interesse bestehe, das Kulturdenkmal einschließlich aller dazugehörigen Teile voll funktionsfähig zu erhalten. Nachdem 1989 ein Antrag auf Gewährung einer Zuwendung zur Erhaltung und Pflege eines Kulturdenkmals gestellt wurde, konnte vom Landesamt für Denkmalpflege im August 1990 einen Betrag in Höhe von 64.100 DM für Erhaltungsmaßnahmen bewilligt und ab 1991 bereitgestellt werden. Die Denkmalstiftung Baden-Württemberg beschloss auf ihrer Sitzung am 6.9.1990 die Sanierung des Objektes mit weiteren 7000 DM zu unterstützen. Vom 22. Juli 1991 bis zum 19. September 1991 konnte in einem ersten bezuschussten Bauabschnitt das ruinöse Hammergerüst abgebrochen und der Generatorsockel der 1980 eingebauten Turbine beseitigt werden. Das Betonfundament des Hammergerüstes konnte bis auf die korrodierten Spannösen belassen werden, die völlig korrodierten Stahlträger und die darauf ruhenden Pfosten sowie die Spannbalken einschließlich der Spannstöcke mussten erneuert werden. : Eichenstamm für den Wendelbaum auf der Blockbandsäge.: Eichenstamm für den Wendelbaum auf der Blockbandsäge.                          

In einem zweiten öffentlich geförderten Bauabschnitt wurde von Mai bis Oktober 1992 die gesamte Antriebsanlage des Hammerwerks samt Wasserrad und Wendelbaum renoviert. Nach Ausbau der alten verschlissenen Teile, ersetzte man die Hammerwelle und das Wasserrad durch Neuanfertigungen nach historischem Vorbild. Den geeigneten Baum für die Antriebswelle, einen 200 Jahre alten, ca. 5000 kg schweren Eichenstamm, stiftete die Stadt Kenzingen. Dieser neue Wendelbaum musste auf einer großen Blockbandsäge zugeschnitten und anschließend - mit den gusseisernen Wellenfassungen sowie den Nockenringen bestückt - in mühsamer Ausrichtarbeit mit dem Wasserrad zusammengebracht werden.

Dazu wurde das Hammerwerk mit Streck- und Plätthammer zwischen Wendelbaum und Schabotten neu ausgerichtet und fixiert. In das Jahr 1993 fielen die Neuausmauerung der Esse und der endgültige Ausbau der Turbinenanlage, die dann 2006 in einen externen Raum verlagert wurde, um das Gesamtbild des Hammerwerkes nicht weiter zu beeinträchtigen.

Als 1994 deutlich wurde, dass auch das Wasserrad für den Schleifsteinantrieb wegen irreparabler Schäden das Zeitliche gesegnet hatte, erhielt Uwe Feißt am 21. Dezember 1994 die denkmalrechtliche Genehmigung für die Erneuerung, die dann 1996 von der Denkmalpflege mit 24.600 DM bezuschusst wurde. Gleichzeitig wurden das Zulaufgerinne für den Schleifstein, der Generator und die Brennholzsäge erneuert. Da den Beteiligten bewusst war, dass die Schmiede nicht wirtschaftlich genutzt werden kann, wurde hierfür sogar die Überschreitung des üblichen Regelfördersatzes zugestanden. 1996 gelang es Uwe Feißt für die Kaminerneuerung Spendengelder bei der Stadt Kenzingen und der Schmiedezunft des Landkreises Emmendingen einzuwerben. Der Versuch, auch hierfür Zuwendungen im Förderjahr 1996 bereitzustellen, scheiterte daran, dass in Baden-Württemberg landesweit ein Zuschussbedarf von rund 95 Mio. DM bestand, jedoch aufgrund der angespannten Haushaltssituation des Landes nur 44,8 Mio. DM für Förderungen bereit gestellt werden konnte. Da 1997 die Fördermittel des Landes auf 30.4 Mio. DM zusammengeschrumpft waren, ging die Muckenschmiede auch in diesem Jahr wieder leer aus. Seit Februar 1998 wird das Hammerwerk im Muckental mit dem Text: Hammerschmiede mit Schmiedeeinrichtung und wasserbaulichen Anlagen, heute im Gasthaus „Zur Hammerschmiede“ als museale Schmiede. 19. Jh., Schmiede ursprünglich zur Herstellung von land- und forstwirtschaftlichem Gerät und Steinbruchwerkzeugen. (Sachgesamtheit), als Kulturdenkmal aus heimatgeschichtlichen und wissenschaftlichen, insbesondere technikgeschichtlichen Gründen in die Liste der Kulturdenkmale der Gemeinde Kenzingen geführt.

Seitdem die wieder funktionstüchtige Schmiedewerkstatt im Jahre 1993 erneut der Öffentlichkeit als „Schaumühle“ zugänglich gemacht worden war, lockte sie, unterstützt durch die Arbeitsgemeinschaft für Geschichte und Landeskunde in Kenzingen e.V. unter dem Vorsitz von Klaus Weber, immer wieder zu den alljährlichen Mühlentagen an Pfingsten und auch schon zu den „Tagen des offenen Denkmals“ am zweiten Septemberwochenende tausende Besucher an. Angemeldete Führungen von Vereinen und Betrieben, Schulklassen jeder Altersstufe etc., Presse-, Rundfunk- und Fernsehberichte spiegelten seither das wachsende öffentliche Interesse an dem Kulturdenkmal der Technikgeschichte wieder. Um alte Schmiedetechniken neu zu beleben, gründeten Mitglieder der ehemaligen Schmiede-Innung des Landkreises Emmendingen am 16.7.1995 die Schmiedezunft Landkreis Emmendingen. Die Mitglieder der sich selbst finanzierenden Zunft betreiben heute die Hammerschmiede im Muckental, damit das traditionsreiche Handwerk des Schmiedes nicht in Vergessenheit gerät. Nachdem 2002 der Einlaufbereich im Oberwasser renoviert worden war, brach der Unterwasserstollen seit dem Frühjahr 2004 stückweise ein, bis im September 2004 das Wasser in den Kellerraum eindrang und die öffentlichen Vorführungen zunächst eingestellt werden mussten. Der annähernd 20 Meter lange und bis zu 3 Meter tief unter dem Gelände verlaufende Stollen, wie auch die seit den Hochwassern von 1957, 1978, 1984 und 1987 nur unzureichend wieder hergestellten Hochwasserschutzeinrichtungen bedurften einer Erneuerung.

Erneuerung des Unterwasserstollens im Jahr 2005.Erneuerung des Unterwasserstollens im Jahr 2005.Die Stadt Kenzingen beauftragte ein Ingenieurbüro, die aus Sandstein bestehende Unterwasser-Stollenanlage zu untersuchen und ein Restaurierungskonzept zu entwickeln. Die Schätzungen für eine denkmalgerechte Sanierung der Anlage beliefen sich auf 40.000 bis 50.000 Euro. „Da eine nicht betriebsfähige Hammerschmiede kein lebendiges Museum darstellt und sehr schnell weiter verfällt“, appellierte die Deutsche Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung (DGM), Landesverband Baden-Württemberg e.V. an die Denkmalstiftung Baden-Württemberg, die Denkmalpflege im Regierungspräsidium Freiburg und die Untere Denkmalschutzbehörde im Landratsamt Emmendingen, gemeinsame Anstrengungen zu unternehmen, den Eigentümer bei finanziell überfordernden Restaurierungen zu unterstützen. Da der Denkmalpflege letztlich unklar blieb, ob Sicherungs- und Erhaltungsarbeiten oder komplette - denkmalpflegerisch nicht förderfähige - Erneuerungsmaßnahmen anstanden, sprang schließlich die DGM bei der wasserrechtlich genehmigungsfähigen Sanierung des Unterwasserstollens im Jahre 2005 finanziell in die Bresche. 2007 kamen Zuwendungen von der Landesstelle für Museumsbetreuung zur Erneuerung des Kehrrades. Natürlich war es auch wichtig, die Zuwegung für eine angemessene Verkehrssicherheit in Stand zu halten. So schritt man 2009 zur Erneuerung der Mühlbachüberfahrt zur Hofeinfahrt Jägle, erneuerte 2009/10 den Steg und seinen Einlaufbereich und 2012 die Mühlbachüberfahrt „Mühlematte-Halde“. Im Jahre 2011 stand die Sanierung der Stellfalle am Einlaufwehr zum Mühlbach, 2014 die eines Mühlbachwehres an.

Einbau des neuen Wasserrades durch den "Obermonteur Leopold"Einbau des neuen Wasserrades durch den "Obermonteur Leopold"Anfang des Jahres 2013 stellte sich heraus, dass nun auch das Wasserrad, das die Transmissionsriemen und damit auch das Gebläse für das Schmiedefeuer antreibt, sich in einem sehr schlechten Zustand befand, so dass eine Erneuerung ins Auge gefasst werden musste. Da die Denkmalpflege im Wesentlichen angehalten ist, historische Substanz zu erhalten, es sich jedoch um eine komplett erneuernde Maßnahme zur Erhaltung der Betriebsfähigkeit des technischen Kulturdenkmals handelte, war der Austausch des Wasserrades zwar denkmalverträglich aber nach heutigen Zuschussrichtlinien nicht mehr aus Haushaltsmitteln der Denkmalpflege förderfähig. Um das Kulturdenkmal als Schaumühle weiterhin funktionsfähig zu halten, bewilligte die Denkmalstiftung Baden-Württemberg 2014 einen Zuschuss für die Wiederherstellung dieses Wasserrades, das im Sommer 2015 einschließlich des Zahnradgetriebes sowie der kompletten Transmission wieder betriebsfähig zur Verfügung stand.

Im Frühjahr des Jahres 2015 wurde ein lange gehegter Wunsch und Gedanke - den Einbau des in historischen Bauzeichnungen ersichtlichen dritten Hammers betreffend – angegangen.  Hammerbär während der Nachbearbeitung auf einer Fräsmaschine.Hammerbär während der Nachbearbeitung auf einer Fräsmaschine.Dabei kann man von Glück reden, dass ein Mitglied der Schmiedezunft vor vielen Jahren die wichtigsten Teile eines Hammerwerkes vor dem verschrotten bewahrt hat und jene bei sich einlagerte.  Nach einer näheren Begutachtung stellte sich aber schnell heraus, dass lediglich der Bär des Großhammers noch für ein aktives Hammerwerk brauchbar war. Dieser war aber ob seines angegriffenen Zustandes auch nur bedingt einsatzfähig, weshalb man sich dazu entschloss, den Bären einer gründlichen Überarbeitung zu unterziehen. Die schon vor mehreren Jahren besorgte Schabotte stellte sich recht schnell als zu klein heraus, so dass man umgehend nach Ersatz Ausschau halten musste und diesen ebenfalls durch ein Mitglied der Zunft beschaffen konnte.                

Backeisen und Hülse für den Großhammer.Backeisen und Hülse für den Großhammer.Sämtliche Metallteile mussten nach historischem Vorbild rekonstruiert werden, da sich z. B. der vorhandene Nockenring nicht ohne weiteres auf die bestehende Hammerwelle montieren ließ. Eine Neuanfertigung mit 400 kg Eigengewicht, die für eine einfachere Montage zweigeteilt werden musste, sowie ebenfalls neuangefertigte Nocken bilden nun den Antrieb für den Schwanzhammer. Auch die Hülse, die Backeisen, der Amboss für die Schabotte und viele weitere Teile mehr  mussten aufwändig hergestellt bzw. überarbeitet werden. Die hierzu gehörenden Holzteile wie der fast drei Meter lange Hammerstiel, die Lagerhölzer für die Backeisen oder Spannkeile wurden dafür ebenfalls neu angefertigt. Das Einschmieden der Lagerführung in die 50 kg schweren Backeisen erforderte eine Anwärmezeit von nahezu zwei Stunden, wozu ein speziell dafür angefertigter Profilhammer auf die gewünschte Tiefe in das Eisen eingetrieben wurde. 

Die Hammerschmiede im Muckental

Auf der Kenzinger Talseite, dem Muckental, findet sich im Kellergeschoß des Gasthauses "Zur Hammerschmiede" eine der letzten gut erhaltenen Hammerschmieden des Schwarzwaldgebietes. Sie ist zugleich jüngste und derzeit einzige noch kontinuierlich betriebene Wasserkraftanlage im Bleichtal.

Im Jahr 1867 vom damaligen Muckenmüller Joseph Wehrte errichtet, sollte sie seinem Sohn Rudolf als künftige Existenzgrundlage dienen. Er hatte den Beruf des Hammerschmieds erlernt und da in der Umgebung ein ständiger Bedarf an einfachen land- und forstwirtschaftlichen Geräten und Steinbruchwerkzeugen bestand, lässt sich diese Entscheidung leicht nachvollziehen. Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=DgtOEqosM_U

Der Waldläufer in der Schmiede

Andy der Waldläufer zu Besuch in der Hammerschmiede.

 Quelle:https://youtu.be/7JwJUQd7Re8

 

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