Samstag, 21 October 2017

150 Jahre Hammerschmiede Muckental – ein „junges“ und zugleich erstaunliches Jubiläum: Glückwünsche eines Gleichgesinnten

Gastbeitrag 150 Jahre Muckentaler HS Benno Münch

Seit 1969 selbst „Feuer und Flamme“ für alte Hammerwerke, führte mich  auf Erkundungstouren der Tipp des Schmieds Ludwig Fehrenbach aus dem Seelbacher Litschental  erstmals ins Muckental – dies war im Jahre 1981. Damals lernte ich in Uwe Feißt einen der wildentschlossensten 16jährigen kennen, der sich in den Kopf gesetzt hatte, die elterliche Hammerschmiede wieder auf Vordermann zu bringen. Nach ihrer Stilllegung war diese zwar noch vollständig eingerichtet, doch hatte man bereits einen Teil des Hammergerüstes entfernt, um in der Werkstatt für eine Turbine zur Energieerzeugung Platz zu schaffen – ein nicht geringer Eingriff in die historische Substanz der Schmiede. Bereits zu jener Zeit wurde deutlich, dass Uwe Feißt und ich – lange Zeit mit eigenen Rettungsversuchen der Edenkobener Siegfriedschmiede beschäftigt - kongeniale „Verrückte“ waren, die erst Jahrzehnte später wieder ihre Leidenschaften bei der Instandsetzung der Elmsteiner Wappenschmiede (=pfälzische Bezeichnung für eine Werkzeugschmiede) bündeln sollten.

 

Es ist für mich daher mehr als nur eine große Freude und auch Ehre, mit diesem kleinen Beitrag an dem stolzen Jubiläum der Muckentaler Schmiede teilzuhaben sowie hier meine herzlichen Glückwünsche und zugleich jene des Elmsteiner Fördervereins zu den überaus  zielstrebigen, erfolgreichen Instandsetzungs- und Revitalisierungsbemühungen auszusprechen.

Uwe Feißt und seine engagierten Zunftkollegen haben hier in privater Initiative zweifellos Außerordentliches geleistet, um im Rahmen des technischen Kulturdenkmals traditionelles Schmiedehandwerk lebendig und damit museumspädagogisch wertvoll – weil in allen Arbeitsschritten anschaulich - nachvollziehbar zu gestalten und zu bewahren.

Natürlich ist so ein 150. Betriebsjubiläum angesichts der vielfachen Kurzlebigkeit  heutiger  Unternehmensgründungen ganz passabel; - im Vergleich mit den Entstehungsdaten anderer Hammerschmieden, die nicht selten in die Zeit des 14. Jahrhunderts und früher zu datieren sind, relativiert sich dies ein wenig, denn die Muckentaler Schmiede gehört als Nachzügler ihrer Art zu den spätesten Gründungen in einer Zeit, in welcher diese zwar noch von der gesteigerten land- und forstwirtschaftlichen Nachfrage profitieren konnten, aber auch schon gegen eine konkurrierende Massenproduktion der Industrie antreten mussten.  Die späten Hammerschmieden von Neckargartach (1883), Bühlertal (Geiserschmiede, 1890) , Altschweier (1868), Neuweier (1870), St. Martin (Hüttenberger, 1867) und Eberbach am Neckar (1888 und 1889) mögen an dieser Stelle als Vergleichsbeispiele genannt werden. Nicht selten wurde hier – wie in Muckental – ein derartiger Schmiedebetrieb an eine bestehende Mühle angegliedert – oder jene kurzerhand zum Hammerwerk umgebaut (Geiserschmiede Bühlertal, Neckargartach, Eberbach).

Ein  Blick auf den Gebäudeplan der Muckentaler Schmiede aus dem 19. Jh. – deren Wasserseite übrigens beim Bau im Gelände, die  gegenüberliegenden Traufen vertauschend, umorientiert wurde, macht deutlich, dass sie  -  genau genommen – erst jetzt technisch vollendet werden konnte, nachdem 149 Jahre später endlich der zwar vorgesehene, bis dato aber noch fehlende Großhammer projektiert und eingebaut wurde: Also ist das diesjährige Jubiläum ein besonderer Grund zum Feiern und wird durch das vergleichsweise jugendliche Alter der Schmiede keinesfalls beeinträchtigt

Als Uwe mich erstaunlicherweise vor einiger Zeit fragte, was ich über den nachträglichen Einbau des dritten Hammers denke, konnte ich ihm guten Gewissens und mit einigem Rückhalt in der Historie von Hammerwerken nur eifrig zuraten, zumal der leere Platz zwischen den Docken des dreigliedrigen Hammergerüstes einen etwas unvollständigen bis traurigen Eindruck machte.

Mühlen und Hammerwerke waren und sind als lebendige mechanische Organismen ständig technischen Veränderungen, geänderten Produktionsverfahren und natürlich ihrer betriebsmäßigen Abnutzung unterworfen: Schwanzhämmer – besonders die Großhämmer – wurden aus- und umgebaut (teilweise durch modernere Feder- und Lufthämmer ersetzt), neue Konstruktionsmaterialien – Gussteile, Bleche und Beton – für Hammergerüste, Schabotten und Wasserräder anstelle des bis dahin verwendeten Bauholzes und Natursteins installiert, Transmissionen eingeführt, um die Kraftübertragung an beliebige Stellen in der Werkstatt zu übertragen. Das beständigere Material löste in der technischen Entwicklung das wartungsintensivere, weniger haltbare Material ab. Ganze Hammerwerkseinrichtungen wurden bei Bedarf demontiert und an anderen Orten wieder aufgebaut , Hammerköpfe („Bären“) wanderten von Schmied zu Schmied, ruhende und laufende Bestandteile der technischen Ausstattung mussten ohnehin zur Erhaltung der Betriebsfähigkeit laufend ausgetauscht werden, so mussten z. B. bei den stark beanspruchten Hammeranlagen der Sensenwerke mitunter wöchentlich die Hammerstiele bei laufendem Betrieb ausgewechselt werden. Auch muss immer wieder betont werden, dass es wirklich alte hölzerne Wasseräder nie gab und nie geben wird, weil Holz eben einem natürlichen Alterungs- und Abbauprozess unterworfen ist. – Was sollte also da  gegen so einen kleinen Akt lebendig rekonstruierender Denkmalpflege  einzuwenden sein, zumal  die Muckentaler Schmiede bislang nur über zwei kleinere Hämmer verfügte und auch ein in musealem Rahmen funktionierender Betrieb die Möglichkeit haben muss, größere Werkstücke zu bearbeiten, wozu eben mehr Schlagkraft benötigt wird.

Man darf auch keinesfalls vergessen, dass dem beschafften historischen Großhammer samt seinem Joch dadurch ein möglicherweise weniger gnädiges Schicksal  - in der Verwertung als nutzloses Recyclingmaterial über den Schrotthandel – erspart geblieben: der Hammerbär ist eine stark bedrohte Art…!

150 Jahre Hammerschmiede Muckental :  - auch ein erstaunliches Jubiläum! Uwe Feißt hat auf dieses beachtliche Durchgangsdatum im Bestehen seiner Schmiede – es geht ja weiter…..! – mit unvergleichlicher Zielstrebigkeit, schier unerschöpflichem Elan, mit Herzblut, Leidenschaft, Hartnäckigkeit, virtuosen fachlichen Fähigkeiten und einer nahezu unglaublichen Improvisationsgabe hin gearbeitet, dieses Kulturdenkmal gegen alle Widerstände vor dem drohenden Untergang bewahrt und es in ein lebendiges technisches Kleinod verwandelt, das ob seiner überaus gelungenen Instandsetzung Vorbildcharakter  für ähnliche Projekte beanspruchen darf. In dieser Hinsicht mag die Elmsteiner Wappenschmiede von den außergewöhnlichen Fähig- und Fertigkeiten des Uwe Feißt - der zusammen mit dem Sonthofener Mühlenbauer Robert Vetter den dortigen Betrieb wieder zum Laufen brachte – besonders profitiert haben und in ihrer Instandsetzung gar als vom Muckentaler Uwe Feißts Werk inspirierter „Filialbetrieb“ des Muckentaler Werks angesehen werden.

In einer Zeit, die den Beruf des Hammerschmieds und Mühlenbauers kaum mehr kennt, in der das Wissen um den routinierten Bau von Hammerwerken – dessen „Know-how“ – untergegangen ist, jenes berühmte „Rad“ wieder neu erfunden werden musste, sind die oben erwähnten Eigenschaften Feißts und seiner Mannen doppelt wertvoll.

Von den ca. 80 heute noch in Deutschland bestehenden alten Hammerschmieden – für den historischen Mühlenbestand  wird oft eine (mit großer Vorsicht zu genießende, da mit Sicherheit zu gering angesetzte) Zahl von ca. 1500 genannt – hatten nicht alle ein so glückliches Schicksal wie das Muckentaler Exemplar. Viele sind akut von Untergang  und mutwilliger Zerstörung bedroht (z.B. in Jettingen, Edenkoben, Solingen und Fischbach-Ummendorf), leiden unter der veränderten Topografie nach Translozierung und rekonstruierendem  Wiederaufbau in Freilichtmuseen (Gebäude sind dort grundsätzlich Neubauten!), wurden dilettantisch „kaputtrestauriert“ oder durch Umbau wesentlicher historischer Anlagen beraubt (bes. durch den Einbau von Wasserkraftanlagen, auch Kläranlagen). Ignorante Gleichgültigkeit, hohe Instandsetzungskosten, oftmals fehlendes Fachwissen bei Instandsetzungsversuchen, die Auflagen nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie (zum Bau von „Fischtreppen“) und der Ideenmangel hinsichtlich einer Neunutzung der historischen Anlagen sind oft genug Gründe eines verwahrlosenden Zerfalls, der nicht selten im Abriss wertvollster technischer Anlagen endet.

In aller Bescheidenheit darf ich sagen, dass ich im Rahmen meiner seit über 45 Jahren andauernden Leidenschaft für historische Hammerwerke und Mühlen viel Elend auf diesem Gebiet gesehen habe, doch nirgends so ein unglaubliches Engagement wie jenes von Uwe Feißt und seinen Helfern, das zu einer bewundernswerten Revitalisierung der Schmiede geführt hat .

Es wird deutlich, dass ein solches aktiv betriebenes Projekt der Denkmalpflege, in dem technische, handwerkshistorische und museumspädagogische  Momente in idealer Weise verknüpft sind mit unmittelbaren Erlebnissen der Besucher beim Zusammenwirken der klassischen Elemente Wasser, Feuer, Luft und Erde (Erz), auf Dauer nicht ohne verlässlichen, fachlich versierten Personenkreis  am Leben erhalten werden kann. Ist dieser  nicht vorhanden und/oder fehlen jenem Einsatzbereitschaft und Improvisationsgeschick bei der Behebung kleinerer und größerer Technikprobleme, kann sehr bald das Ende aller Bemühungen  um die Betriebsfähigkeit eintreten, welche gerade für die Erhaltung technischer Denkmäler  von großer Bedeutung ist:  – diese Gefahr  sehe ich bei der Muckentaler  Schmiede mit ihrer tatkräftigen Zunft um Uwe Feißt nicht!

Aus eigener Erfahrung weiß ich um die Wichtigkeit eines toleranten familiären Umfelds, das durch seine großzügige bis selbstlose Bereitschaft und Fähigkeit, die Leidenschaften des oder der Protagonisten zu dulden und zu unterstützen, erst die humane Basis für den letztendlichen Erfolg schafft. An dieser Stelle ist ein herzliches Dankeschön an diese entschiedene Hilfsbereitschaft und manchmal auch stark geprüfte Leidensfähigkeit  verständnisvoller Ehefrauen, LebenspartnerInnen und Familien mehr als überfällig – gelegentlich sollte man den Dank für jenes entgegengebrachte Verständnis nicht nur in ein stilles Gebet einschließen (in der Hoffnung, dass die bisherige Duldung fortbestehen möge….), sondern durchaus mit zuneigenden Worten und  Werken in die Offensive gehen…! Dies betrifft vermutlich Uwe Feißt vom Muckental  ebenso wie den gleichfalls engagierten Peter Götz mit seiner 400jährigen Hammerschmiede in Schwabsoien bei Schongau, die Tatkräftigen vom Förderkreis der Oberprechtaler Schmiede und mich mit unserem Elmsteiner Projekt sowie viele andere landauf, landab. Engagement benötigt Zeit und Verständnis bei jenen, die zeitliche „Aufmerksamkeitsdefizite“ tolerieren – der Erfolg gehört allen!

Jede Generation trifft für sich – und auch in Verantwortung gegenüber der nach ihr lebenden – eine eigene Entscheidung darüber, welche Kulturleistungen und kulturellen Werte sie für die Zukunft bewahren will. Dieses schöne Jubiläum markiert mit der gelungenen betriebsfähigen Erhaltung einer Hammerschmiede bis hinein in das 21. Jh. – sogar deren Vollendung - und zugleich mit einer überarbeitenden Instandsetzung  in idealer Weise eine wirklich gute Entscheidung: Chapeau! – Gratulation ! und alles Gute für den Weg zum 200. Jubiläum!

Die Hammerschmiede im Muckental

Auf der Kenzinger Talseite, dem Muckental, findet sich im Kellergeschoß des Gasthauses "Zur Hammerschmiede" eine der letzten gut erhaltenen Hammerschmieden des Schwarzwaldgebietes. Sie ist zugleich jüngste und derzeit einzige noch kontinuierlich betriebene Wasserkraftanlage im Bleichtal.

Im Jahr 1867 vom damaligen Muckenmüller Joseph Wehrte errichtet, sollte sie seinem Sohn Rudolf als künftige Existenzgrundlage dienen. Er hatte den Beruf des Hammerschmieds erlernt und da in der Umgebung ein ständiger Bedarf an einfachen land- und forstwirtschaftlichen Geräten und Steinbruchwerkzeugen bestand, lässt sich diese Entscheidung leicht nachvollziehen. Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=DgtOEqosM_U

Der Waldläufer in der Schmiede

Andy der Waldläufer zu Besuch in der Hammerschmiede.

 Quelle:https://youtu.be/7JwJUQd7Re8

 

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