Samstag, 21 October 2017

Die Hammerschmiede am Muckenbach - Bauweise und Arbeitsvorgänge

Bauplan von 1866.Bauplan von 1866.Das schlichte, rein funktionale zweigeschossige Gebäude mit Satteldach weist bis zu 75 cm dicke Wände aus Bruchsandstein auf. Das Obergeschoss wurde erst um die Jahrhundertwende als Wohngeschoss mit einem kleinen Verkaufsraum aufgestockt und ist heute als Gastwirtschaft eingerichtet. Das zur Hälfte ins Erdreich eingetiefte Erdgeschoss besteht aus einem großen Raum, der die Schmiede mit dem Hammerwerk enthält. Der Naturboden hat in Richtung Hammerwerk ein leichtes Gefälle, damit eindringendes Wasser nicht lange stehen bleibt, sondern auf eine die Schmiedeeinrichtung möglichst wenig schädigende Weise wieder abfließen kann. Die Esse mit zwei Feuerstellen und einem steinernen Wassertrog zum Löschen und Abkühlen der glühenden Schmiedestücke sowie zum Benetzen des Schmiedefeuers ist in Bruchstein gemauert. Der Rauchabzug  besteht aus einer Eisenkonstruktion, die mit flachen Ziegelsteinen und Lehm ausgemauert ist.

Für den Antrieb der Hammerschmiede im Muckental wurde das Wasser des Bleich- und Muckenbaches per Kanalführung auf drei oberschlächtige Wasserräder ausgerichtet: Sie dienen zum Antrieb von Wellbaum (Hammerrad), Transmission (Gebläserad) und Schleifstein (Schleifrad).                                                            

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Typische gefertigte Werkzeuge

Bei den Feißtschen Werkzeugprodukten handelte es sich um Eisengeräte, die meistens mit einem Holzstiel versehen wurden, d.h., der eiserne Teil des Werkzeugs musste durch eine schmiedeeiserne Umfassung mit dem einen Ende des Holzstiels fest verbunden bzw. „eingehaust“ werden. Entsprechend bezeichnet der Werkzeugschmied diese Einfassung des Holzstiels als „Haus“.

Stockhaue.Stockhaue.Werkzeuge für den Acker- und Weinbau

z.B.: Hauen (Hacken):

Wie bei anderen Gebrauchsgegenständen gab es verschiedene Ausführungen des gleichen Werkzeugtyps in Form, Größe, Beschaffenheit und für spezifische Nutzungsanforderungen, die wegen ihrer unterschiedlichen Anwendungsarten und Ausführungsqualitäten untereinander differierten, andererseits wieder nach regionalen Gestaltungsgewohnheiten unterschiedlich waren.

Hauptsächlich für den Einsatz beim Unkrauthacken und Bodenauflockern in den Reben wurden die Opfinger Hauen für den Tuniberg, die Ebringer Hauen für das Markgräflerland und die Kaiserstühler Hauen für den Kaiserstuhl verwendet. Sie unterscheiden sich in der Gestaltung der des Hauses (Stieleinfassung) und des Hauenblattes. Die Kaiserstühler Haue hat ein recht breites Blatt und ein einfaches Haus, das aus einer Ausstanzung mit einer umgebogenen Lasche besteht.         Die große Stock- und Stickhaue mit gelochtem „Haus“ war die einfachste und billigste Ausführung der Stockhauen. Die etwas aufwendigere Herstellungsweise für das gebördelte Haus der Ebringer Stockhaue war die Voraussetzung für eine relativ gute Stielfassung, so dass diese Haue für mittelschwere Arbeiten eingesetzt werden konnte. Die schwere Stockhaue mit dem Rundhaus ermöglichte eine optimale Stielfassung und war somit für besonders schwere Arbeiten wie z.B. das Einrammen (Sticken) von Rebpfählen geeignet.

 

Schrotaxt zum HolzfällenSchrotaxt zum Holzfällen

Steinhauerwerkzeuge -Zweispitz-Steinhauerwerkzeuge -Zweispitz-

 

Forstwerkzeuge

 Äxte / Beile, Karste usw. wurden in einer Vielzahl von Größen und Formen für die unterschiedlichsten Arbeitsaufgaben in der Forstwirtschaft hergestellt.

 Bau- / Steinhauerwerkzeuge    Aber auch Werkzeuge für den Straßen-/ und Wegebau bildeten einen Großteil der Produktpalette der Werkzeugschmiede.

 

 

Die Hammerschmiede im Kontext der Industrialisierung

Die Technik der Hammerschmiede im Muckental stammt aus einer Zeit, in der die Agrarwirtschaft vorherrschte. Seit dem hohen Mittelalter gab es Hammerwerke als mechanische Anlagen, in denen wassergetriebene mechanische Maschinenkraft mit menschlicher handwerklicher Arbeitskraft zusammenwirkte, um insbesondere auch Geräte für die Agrarwirtschaft zu produzieren. Allerdings sind bei näherer Betrachtung deutlich Hammerwerke zu unterscheiden: einerseits „Großhammerwerke“, die als „Frischhütten“ das spröde Roheisen des  Hochofens in schmiedbaren Stahl umwandelten, und andererseits die Kleinhammerwerke („Zainhämmer“) der nachfolgenden Produktionsstufe, welche jene Stahlstäbe meist über den Handel bezogen, um daraus Fertigprodukte – z. B. Werkzeuge – herzustellen. Darüber hinaus gab es eine ganze Reihe spezialisierter Hammerwerke der zweiten Produktionsstufe: Rohrhämmer für die Feuerwaffenproduktion, Schellenschmieden, Pfannen-, Kugel-, Sensenhämmer, Ankerschmieden etc..

Bis in das frühe 19. Jahrhundert war Deutschland ein Agrarland, in dem der größte Teil der Bevölkerung in der Landwirtschaft oder im ländlichen Hausgewerbe arbeitete. Erst seit der Zeit um 1835/45 setzte sich mit dem Bau des Eisenbahnnetzes in Deutschland die erste Phase der Industrialisierung durch. Holz als wichtigster und gebräuchlichster Rohstoff wurde in der Heiztechnik von der Kohle und in der Maschinentechnik von Eisen abgelöst.

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Geschichte der Muckentaler Hammerschmiede als Kulturdenkmal der Technikgeschichte

1970 kamen Überlegungen auf, das Mühlengebäude umzubauen und dabei die Schmiedeeinrichtung zu entfernen. In diesem Zusammenhang wurde die Hammermühle im Muckental beim Staatlichen Amt für Denkmalpflege in Freiburg erstmals aktenkundig. In einem Schreiben vom 15. Juli 1970 erhob der Kreisbeauftragte für Naturschutz, Oberforstrat Bühler, „prinzipiell keine Bedenken“ gegenüber der äußeren Gestalt des bei ihm eingereichten Bauvorhabens, machte jedoch darauf aufmerksam, dass eine „ (…) Erhaltung der alten Einrichtungen der früheren Hammerschmiede im Kellergeschoss, die alle noch vorhanden sind (doch sicherlich sehr wünschenswert)“ sei. „Der mit Wasserkraft getriebene lange Hammer mit Amboss in der ehem. Schmiede ist heute eine Sehenswürdigkeit, die es kaum mehr gibt.“ Auf einem für den 29. Juli 1970 anberaumten Ortstermin mit dem beauftragten Architekten Weissbach stellte der zuständige Denkmalpfleger Hesselbacher fest, „dass es sich bei diesem Hammerwerk in der Tat um ein technisches Kulturdenkmal handelt, dessen Erhalt gemäß §§ 2 und 12 des Bad. Denkmalschutzgesetzes im öffentlichen Interesse liegt.“ Entsprechend wurde verhindert, dass das Hammerwerk aus dem Erdgeschoss zu Gunsten des Einbaus einer Heizung und von WCs entfernt wurde. Die Staatliche Denkmalpflege legte „größten Wert darauf …, dass das Hammerwerk, welches sich – noch völlig erhalten – im Untergeschoss des Gebäudes befindet, weiterhin erhalten bleibt und auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Voraussetzung hierfür wird aber sein, dass der unmittelbar am Hause vorbeiführende Bach ebenfalls erhalten bleibt.“ (so Hesselbacher in einem Schreiben vom 22.9.1970) Damit war nicht nur die technische Ausstattung des Gebäudes sondern auch der zugehörige Mühlenkanal als Kulturdenkmal im Sinne einer Sachgesamtheit, wie sie das am 25.5.1971 in Kraft getretene Baden-Württembergische Denkmalschutzgesetz im § 2 benennt, erfasst. Man einigte sich darauf, neben der Schmiede einen Neubau zu errichten und währenddessen die Wohnung zunächst in der Schmiede zu belassen. In einer weiteren Ausbaustufe sollte in der Schmiede eine gute Landgaststätte entstehen, für deren Gäste sich als Attraktion ein Besuch der historischen Schmiede anbot.

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Die Hammerschmiede im Muckental

Auf der Kenzinger Talseite, dem Muckental, findet sich im Kellergeschoß des Gasthauses "Zur Hammerschmiede" eine der letzten gut erhaltenen Hammerschmieden des Schwarzwaldgebietes. Sie ist zugleich jüngste und derzeit einzige noch kontinuierlich betriebene Wasserkraftanlage im Bleichtal.

Im Jahr 1867 vom damaligen Muckenmüller Joseph Wehrte errichtet, sollte sie seinem Sohn Rudolf als künftige Existenzgrundlage dienen. Er hatte den Beruf des Hammerschmieds erlernt und da in der Umgebung ein ständiger Bedarf an einfachen land- und forstwirtschaftlichen Geräten und Steinbruchwerkzeugen bestand, lässt sich diese Entscheidung leicht nachvollziehen. Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=DgtOEqosM_U

Der Waldläufer in der Schmiede

Andy der Waldläufer zu Besuch in der Hammerschmiede.

 Quelle:https://youtu.be/7JwJUQd7Re8

 

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