Samstag, 16 December 2017

Ein lebendiges Kulturdenkmal: Das Zusammenspiel von Naturkräften, menschlicher Körperkraft und mechanischer Funktionalität

Heutzutage ist die Mechanik – oder doch wenigstens deren Steuerung - in nahezu allen Lebensbereichen durch Elektronik und Mikroelektronik abgelöst worden. In Gasthäusern flackert das geruchslose Kaminfeuer in der immer gleichen Filmschleife über den Bildschirm, die Mikroelektronik hat alle Arbeitsfelder der Gesellschaft durchdrungen, Prozesssteuerungen verlaufen unsichtbar in einer „black box“, jeder physischen Anschaulichkeit entzogen. Der größte Teil der Menschen beschäftigt sich in modernen Büroräumen oder daheim vor Bildschirmen mit virtuellen Welten und kennt körperliche Anstrengungen nur noch aus den Besuchen im Fitnessstudio.Einpassen der Nocken in den neuen 400 kg schweren NockenringEinpassen der Nocken in den neuen 400 kg schweren Nockenring

Dagegen stellt die Hammerschmiede ein bemerkenswertes historisches Zeugnis dar, in dem das über lange Jahrhunderte alle handwerklichen Prozesse prägende Zusammenwirken mechanischer und menschlicher Kräfte unmittelbar erlebbar bleibt. Die wirkungsvolle Kombination der klassischen Elemente Feuer und Wasser, Luft und Erde (Erz) für die Erzeugung von Energie und die körperliche Arbeit des Hammerschmieds machen bei Schauvorführungen u.a. jene Arbeitsprozesse, Naturkräfte, Gerüche und Geräusche – jene inzwischen fast ganz versunkene Welt traditionellen Arbeitens - wieder sinnlich erfahrbar, die unseren Vorfahren vom Mittelalter über die von den mechanischen Künsten geprägte frühe Neuzeit bis hin in das 20. Jahrhundert trotz mancher „Modernisierung“ gegenwärtig und vertraut war. So gesehen ist die Hammerschmiede im Muckental kein funktionslos gewordenes Relikt längst vergangener Zeiten, sondern hält die historische Technik und ihre Nutzung im Handwerk museumspädagogisch höchst relevant und anschaulich bis heute lebendig.

Literaturnachweis

Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Freiburg, Bestand B714/1, Nr. 2750

Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, Dienstsitz Freiburg, Ortsakte Kenzingen, Bleichtalstraße 2, Hammerschmiede im Muckental

Ernst, Eugen: Mühlen im Wandel der Zeiten. Stuttgart 2005

Feißt, Uwe: Die Hammerschmiede Muckental (Bleichtal). Ein Technisches Kulturdenkmal im Abseits, in: „Die Pforte“, hrsg. v. d. Arbeitsgemeinschaft für Geschichte und Landeskunde in Kenzingen e.V., 32. und 33. Jg., 2012/13, S.319-321

Haasis-Berner, Andreas: Geschichte des Bergbaus am Kandel. „Gold und Silber lieb‘ ich sehr …“ Die Geschichte des Bergbaus rund um den Kandel (Elz-, Glotter-, Simonswälder- und Brettenbachtal (Institut für Ur- und Frühgeschichte Universität

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150 Jahre Hammerschmiede Muckental – ein „junges“ und zugleich erstaunliches Jubiläum: Glückwünsche eines Gleichgesinnten

Gastbeitrag 150 Jahre Muckentaler HS Benno Münch

Seit 1969 selbst „Feuer und Flamme“ für alte Hammerwerke, führte mich  auf Erkundungstouren der Tipp des Schmieds Ludwig Fehrenbach aus dem Seelbacher Litschental  erstmals ins Muckental – dies war im Jahre 1981. Damals lernte ich in Uwe Feißt einen der wildentschlossensten 16jährigen kennen, der sich in den Kopf gesetzt hatte, die elterliche Hammerschmiede wieder auf Vordermann zu bringen. Nach ihrer Stilllegung war diese zwar noch vollständig eingerichtet, doch hatte man bereits einen Teil des Hammergerüstes entfernt, um in der Werkstatt für eine Turbine zur Energieerzeugung Platz zu schaffen – ein nicht geringer Eingriff in die historische Substanz der Schmiede. Bereits zu jener Zeit wurde deutlich, dass Uwe Feißt und ich – lange Zeit mit eigenen Rettungsversuchen der Edenkobener Siegfriedschmiede beschäftigt - kongeniale „Verrückte“ waren, die erst Jahrzehnte später wieder ihre Leidenschaften bei der Instandsetzung der Elmsteiner Wappenschmiede (=pfälzische Bezeichnung für eine Werkzeugschmiede) bündeln sollten.

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Weder still noch gebrechlich

Die quicklebendige Muckentaler Hammerschmiede feiert ihr 150jähriges Bestehen

Im hinteren Bleichtal am Westrand des Schwarzwaldes, ca. 9 km nordöstlich von Kenzingen entfernt, hat man zu Pfingsten 2017 allen Grund für ein dreitägiges Fest: Die Hammerschmiede von Uwe Feißt darf auf ihr 150jähriges Bestehen zurückblicken – ein relativ „junges“, aber zugleich auch erstaunliches Jubiläum. Doch zunächst ein Blick auf Historie und technische Ausstattung dieses kleinen, bis heute aktiv genutzten Betriebes, bevor diese Aussage belegt werden soll.

Gründer der Hammerschmiede war im Jahr 1867 Josef Wehrle, bisher Müller der etwas oberhalb gelegenen, urkundlich seit dem 16. Jh. belegbaren “Unteren Muckenmühle“, der damit für seinen Sohn Rudolf – ein gelernter Schmied - eine Existenzgrundlage sichern wollte. Das übliche amtliche Genehmigungsverfahren für dieses Bauprojekt ist einschließlich erhaltener Lagepläne, Grund- und Seitenrisse des Gebäudes, durch lückenlos vollständige Dokumente gut nachvollziehbar überliefert (Landesarchiv Freiburg), wobei ein – später in der Bauausführung u. a. seitenvertauschter –Grundriss ein dreischlägiges Schwanzhammerwerk vorsah, das jedoch nur zweischlägig  (Streck- und Glätthammer, ohne Schwerhammer) ausgeführt wurde. Exemplarisch lassen sich aus den historischen Unterlagen zudem die Konfliktpotenziale gegenüber anderen Wassernutzern wie z. B. der Wiesenbewässerung erkennen.  

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Die Hammerschmiede im Muckental

Auf der Kenzinger Talseite, dem Muckental, findet sich im Kellergeschoß des Gasthauses "Zur Hammerschmiede" eine der letzten gut erhaltenen Hammerschmieden des Schwarzwaldgebietes. Sie ist zugleich jüngste und derzeit einzige noch kontinuierlich betriebene Wasserkraftanlage im Bleichtal.

Im Jahr 1867 vom damaligen Muckenmüller Joseph Wehrte errichtet, sollte sie seinem Sohn Rudolf als künftige Existenzgrundlage dienen. Er hatte den Beruf des Hammerschmieds erlernt und da in der Umgebung ein ständiger Bedarf an einfachen land- und forstwirtschaftlichen Geräten und Steinbruchwerkzeugen bestand, lässt sich diese Entscheidung leicht nachvollziehen. Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=DgtOEqosM_U

Der Waldläufer in der Schmiede

Andy der Waldläufer zu Besuch in der Hammerschmiede.

 Quelle:https://youtu.be/7JwJUQd7Re8

 

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