Donnerstag, 17 August 2017

Ein Jungschmied, mittleren Alters

Paul A. Warum ich schmiede?

Geneigter Leser, als man mich frage ob ich als „Jungschmied „ zu dieser Festzeitschrift etwas beitragen möchte war ich doch sehr überrascht. Sein Anliegen an mich,war etwas zu meinen Motiven zuschreiben, warum ich mich für das Schmieden interessiere und dieses lernen möchte. Zuerst möchte ich den Begriff „Jungschmied“ etwas richtig stellen. Mit jenseits der fünfzig bin ich wahrlich nicht mehr jung, aber meine Handfertigkeiten und Kenntnisse zum Schmieden, sind noch jung und weiter ausbaufähig.

Jetzt zur Frage? Mit der Antwort weil es Spaß macht, wäre ich schon damit fertig und für Sie als Leser wenig überraschend. Warum würde ich das sonst tun? Spaß ist ein Antrieb für die vielfältigsten Hobbys und Handlungen, aber nur eines aus einem bunten Strauß von meinen Gründen. Um das zu verstehen möchte ich etwas ausholen. Als junger Mensch mit fünfzehn Jahren, der sich gleichfalls für den Metall und den Elektroberuf interessiert, war es nicht leicht zu entscheiden welchen Berufsweg er einschlägt. Das Schicksal hat es dann entschieden, da in der damaligen Zeit, ein Ausbildungsplatz in einem Beruf der möglichen Wahl, schon ein großer Glücksfall bestand. So wurde ich Elektroniker und bin es eben so wie ich bin, mit Leib und Seele bis zum heutigen Tag geblieben. Weiter blieb mein Wunsch mit Metall umzugehen. In der Elektrotechnik gibt es erstaunlicherweise, viel Gelegenheit dazu und so habe ich immer indirekt, wenn es um mechanische Lösungen ging, gerne meinen Beitrag dazu geleistet. Im Grunde fühlte ich mich schon immer, wie in dem neu geschaffen Beruf des Mechatronikers, den es damals nicht gab. In meinem Beruf als Elektroniker begleitete ich hautnah, den Übergang von der Analog zur Digital-Technik. Was dabei für Wunderwerke und Veränderungen daraus entstanden, erfahren Sie selbst täglich und benutzen diese sicherlich zum Teil. Ich selbst der immer wissen wollte wie „alles“ funktioniert musste mit dem umfassenden Anspruch irgend wann scheitern. Die Dinge wurden immer kleiner und unzählige Analoge-Funktionen, gingen in die virtuelle Welt des Computerprogramms über. So manches dieser „Wunderwerke“ hatten mich so geärgert, dass ich diese einfach einmal mit dem Hammer platt klopfen wollte. Nun das war das ein kindlicher Gedanke, aber mit dem Klopfen und dem Hammer, war der Gedanke an Metallschmieden, in mir geboren. Vor fünfundzwanzig Jahren für meine Umgebung ein wohl seltsamer Wunsch. Da wo ich lebte wollte mir niemand etwas zeigen, noch gab es irgend Lokales Angebot um die Idee umzusetzen. Die Hufschmiede die ich aus meiner Kindheit kannte gab es nicht mehr. In Schlossereien wurde geschweißt, gesägt, gebohrt und mein Ansinnen wurde oft mit einem Stirnrunzeln, oder mildem lächeln der Inhaber quittiert. Es wirkte wie aus der Zeit gefallen. Eher per Zufall erfuhr ich eine Adresse in Remscheid. An einer Akademie für Sozialarbeit mit sehr einfacher Ausstattung, versuchte ich meine ersten Schmiedeerfahrungen zu sammeln. Und siehe da, es machte mir Freude und mir ging das Schmieden locker von den Händen. Das Ergebnis war ein Messer eine Schale und unzählige Nägel. Ich war so begeistert das ich anfing mir eine Schmiedeausrüstung zusammen zukaufen. Leider fand ich für den Aufbau keinen geeigneten Platz und dem Arbeitsleben geschuldet musste ich mehrmals umziehen. Und so blieb es bei diesem Anlauf. Andere Dinge, wie Familie und berufliche Anforderungen wurden wichtiger. Nun fünfundzwanzig Jahre später bin ich in dem schönen Bleichtal verortet. Ich habe immer noch kein Platz für eine eigene Schmiede, aber etwas viel besseres entdeckt. Die Schmiedezunft Emmendingen. Plötzlich ist jetzt alles da. Platz zum schmieden , aufgeschlossene Profi-Metaller, die schmieden können und ihr Wissen weitergeben. Das ganze noch in einem Rahmen von fast familiäre Anbindung und kameradschaftlicher Grundhaltung. Viel neues habe ich in der kurzen Zeit erfahren, worüber ich mich sehr freue. Ich komme zurück zu dem Gedanken, mit dem Hammer etwas zu zerklopfen. Was damals aus Wut geboren war, hat für mich heute eine noch tiefere Faszination. Schmieden hat nichts und auch gar nichts mit darauf schlagen zu tun. So sehr auch geklopft wird, es geschieht überlegt, mit einem Ziel des Formens und Gestaltens. Dieses geschieht mit Eisen das nur in einem glühenden Zustand sich wirklich formen lässt und dieses in einer begrenzten Zeit und der richtigen Technik, die man selbst erlernen kann. Auf Werke die gelungen sind bin ich stolz und die Dinge die mir meistens im Schmiedefeuer verbrannt sind, nun diese lernen mich Konzentration auf das Wesentliche und Gelassenheit. Einiges gilt es im Vorfeld zu überlegen. Also zu planen. Aber beim Schmieden selbst gilt das Tun im Hier und dem Jetzt. Das richtige Werkzeug, die genaue Beobachtung, die geeignete Handhabung. Je länger ich mich damit beschäftige, staune ich über die Leistung der alten Schmiede, die über -jahrtausende mit Ihrem können unsere kulturelle Entwicklung befördert haben. Es gibt noch viele Aspekte für mich, aber über Schmieden zu schreiben , ist wie ein Trockenkurs im schwimmen. Das wissen wie das Schmieden geht wurde mündlich und mit entsprechender Ausbildung von Generation zu Generation weitergegeben. Bis vor kurzem schien es für mich, das auch dieses Wissen verloren geht. Dem ist zum Glück nicht so. Mit der Schmiedezunft und deren Menschen die dort dahinter stehen, ist es möglich mit Freude und Spaß in diese Jahrtausend alte Tradition einzutauchen. Wenn Sie es interessiert probieren Sie es aus. Die Schmiedezunft bittet im Rahmen der Gewerbeschule Emmendingen Kurse an und vieles mehr. Viel Spaß beim Entdecken.

 

gegründet 1995

 

 

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